Форум кафедры иностранных языков и перевода УрФУ

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#1 2018-01-31 21:24:15

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Перевод с немецкого. Проза.

Böttger entwarf mit seinen Gesellen einen völlig neuartigen Brennofen, der einen Feuerschlund besaß, in den man bequem einen Tisch hineinschieben konnte. Darüber verjüngte sich der Ofen zu einem Rost aus feuerfesten Ziegeln mit Schlitzen dazwischen, auf denen das Brenngut stehen konnte.

Anfang November war der neue Ofen fertig. Doch nun stellte sich heraus, dass die Lohe der Flammen die zu brennenden Teile schwärzte. Daraufhin mussten sie erst einmal feuerfeste Schamottformen herstellen, in die sie dann ihre Versuchsteile steckten.

Böttger arbeitete wie im Rausch, und Tschirnhaus und der Bergrat bewunderten ihn dafür, mit welcher Entschlusskraft er das Projekt, die Arbeiter und Gesellen antrieb. Sie mischten jeden halbwegs brauchbar erscheinenden Lehm mit dem Colditzer Ton in unterschiedlichen Verhältnissen und machten nach Böttgers Vorgaben penible Aufzeichnungen. Hunderte von Proben hatten sie gesäubert und geschlemmt, miteinander vermengt, die Mischungsverhältnisse verändert und einfache Gefäße daraus gebrannt. Eine Versuchsreihe folgte auf die andere, und schon Ende November war sich Böttger seiner Sache recht sicher. Ziemlich perfekt gelang ihm ein rotes, dünnwandiges Porzellan, das er nach dem in Sachsen häufiger aufzufindenden Halbedelstein »Jaspisporzellan« nannte.

Das weiße Porzellan jedoch bereitete ihm Schwierigkeiten, weil es immer noch dazu neigte, sich beim Brand zu verziehen und außerdem gelblich statt weiß hervorkam. Böttger mischte Zusätze von Kreide und Alabaster in die Masse, doch ohne durchschlagenden Erfolg. Erst als er einen neuen Lehm bekam, sogenannte Schnoorsche Erde – benannt nach dem Eigentümer des Grundstücks, wo man den Lehm gefunden hatte –, kam er auch mit dem weißen Porzellan voran. Die ideale Mischung schien aus etwa zehn Teilen Colditzer Ton und zu einem Teil Schnoorscher Erde zu bestehen. Diese Rezeptur variierten sie nun leicht, und endlich stellte sich der Erfolg ein.

Mit dem ersten gelungenen Stück Porzellan, einem einfachen Schälchen, zog Böttger mit den Gesellen in einem Triumphzug durch die Kasematten, um allen zu zeigen, dass sie am Ziel waren. Sie fielen sich in die Arme, und an diesem Abend betrank sich Böttger das erste Mal seit langem vor Glück.

Albert, der von Fürstenberg wieder zum Diener Böttgers bestimmt worden war, zerbrach die letzte Flasche Wein lieber »aus Versehen«. Am morgigen Tag um acht Uhr sollten Monsieur Tschirnhaus und der Bergrat kommen. Bis dahin musste er seinen Herrn wieder präsentabel haben.

Wahrscheinlich hätte es der Fürsorge des Dieners gar nicht bedurft, denn Böttger sprang schon um sechs am nächsten Morgen aus den Federn, um weitere Probebrände mit der gefundenen Mischung anzuordnen. Böttger selbst mischte die Grundmasse noch einmal gut durch und vergaß darüber den kommenden Besuch. Als Tschirnhaus und Ohain in bester Laune die Kasematte betraten, steckte er mit beiden Armen tief in einem Ton-Lehm-Gemisch. Ohain frotzelte: »Wenn ich gewusst hätte, dass wir kneten sollen, hätte ich einen anderen Rock gewählt.«

Böttger säuberte sich die Arme in einem Wasserfass. »Im Prinzip gern. Dann weiß ich wenigstens, dass es gut getan ist … Aber ich wollte Ihnen etwas anderes zeigen.«

Er führte sie durch den Brennsaal zum Fertigteilraum. »Hier bitte, was sagen Sie?«

Tschirnhaus ergriff das Schälchen, prüfte es von allen Seiten und hielt es gegen eine Fackel. Es war weiß und durchscheinend. Tränen der Rührung schossen ihm in die Augen. Vor sich sah er die Vollendung seines Lebenstraums. Porzellan, sächsisches Porzellan.

Aus: Berndt List „Der Goldmacher“

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