Форум кафедры иностранных языков и перевода УрФУ

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#1 2020-01-31 22:23:26

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Перевод с немецкого. Проза.

Eines Abends, als ich von meinen Arbeiten allein nach Hause ging, weil ich meine Leute vorausgeschickt hatte, sah ich meinen armen Pfarrer auf einem Sandhaufen sitzen. Er hatte seine großen Schuhe fast in den Sand vergraben, und auf den Schößen seines Rockes lag Sand. Ich erkannte ihn in dem Augenblicke. Er war ungefähr so gekleidet wie damals, als ich ihn zum ersten Male gesehen hatte. Seine Haare waren jetzt viel grauer, als hätten sie sich beeilt, diese Farbe anzunehmen, sein längliches Angesicht hatte deutliche Falten bekommen, und nur die Augen waren blau und klar wie früher. An seiner Seite lehnte das Rohr mit dem schwarzen Beinknopfe. Ich hielt in meinem Gange inne, trat näher zu ihm und grüßte ihn.

Er hatte keinen Gruß erwartet, daher stand er eilfertig auf und bedankte sich. In seinen Mienen war keine Spur vorhanden, dass er mich erkenne; es konnte auch nicht sein; denn bei jenem Gastmahle hat er mich gewiß viel weniger betrachtet als ich ihn. Er blieb nur so vor mir stehen, und sah mich an. Ich sagte daher, um ein Gespräch einzuleiten: „Euer Ehrwürden werden mich nicht mehr kennen. “

„Ich bin nicht der Ehre teilhaftig“, antwortete er.

„Aber ich habe die Ehre gehabt“, sagte ich, auf den Ton seiner Höflichkeit eingehend, „mit Euer Ehrwürden an ein und derselben Tafel zu speisen. “

„Ich kann mich nicht mehr erinnern“, erwiderte er.

„Euer Ehrwürden sind doch derselbe Mann“, sagte ich, „der einmal vor mehreren Jahren auf einem Kirchenfeste bei dem Pfarrer zu Schauendorf war, und nach dem Speisen der erste fortging, weil er, wie er sagte, vier Stunden bis zu seinem Pfarrhofe zu gehen hätte?“

„Ja, ich bin derselbe Mann“, antwortete er, „ich bin vor acht Jahren zu der hundertjährigen Jubelfeier der Kircheneinweihung nach Schauendorf gegangen, weil es sich gebührt hat, ich bin bei dem Mittagessen geblieben, weil mich der Pfarrer eingeladen hat, und bin der erste nach dem Essen fortgegangen, weil ich vier Stunden nach Hause zurück zu legen hatte. Ich bin seither nicht mehr nach Schauendorf gekommen. “

„Nun, an jener Tafel bin ich auch gesessen“, sagte ich, „und habe Euer Ehrwürden heute sogleich erkannt. “

„Das ist zu verwundern – nach so vielen Jahren“, sagte er.

„Mein Beruf bringt es mit sich“, erwiderte ich, „dass ich mit vielen Menschen verkehre und sie mir merke, und da habe ich denn im Merken eine solche Fertigkeit erlangt, dass ich auch Menschen wieder erkenne, die ich vor Jahren und auch nur ein einziges  Mal gesehen habe. Und in dieser abscheulichen Gegend haben wir uns wiedergefunden. “

„Sie ist, wie sie Gott erschaffen hat“, antwortete er, „es wachsen hier nicht so viele Bäume wie in Schauendorf, aber manches Mal ist sie auch schön, und zuweilen ist sie schöner als alle andern in der Welt. “

Ich fragte ihn, ob er in der Gegend ansässig sei, und er antwortete, dass er siebenundzwanzig Jahre Pfarrer in dem Kar sei. Ich erzählte ihm, dass ich hieher gesendet worden sei, um die Gegend zu vermessen, dass ich die Hügel und Täler aufnehme, um sie auf dem Papiere verkleinert darzustellen, und dass ich in der Hochstraße draußen wohne. Als ich ihn fragte, ob er oft hieher komme, erwiderte er: „Ich gehe gerne heraus, um meine Füße zu üben, und sitze dann auf einem Stein, um die Dinge zu betrachten. “

Wir waren während dieses Gespräches ins Gehen gekommen, er ging an meiner Seite, und wir redeten noch von manchen gleichgültigen Dingen, vom Wetter, von der Jahreszeit, wie diese Steine besonders geeignet seien, die Sonnenstrahlen einzusaugen, und von anderem.

Waren seine Kleider schon bei jenem Gastmahle schlecht gewesen, so waren sie jetzt womöglich noch schlechter. Ich konnte mich nicht erinnern, seinen Hut damals gesehen zu haben, jetzt aber musste ich wiederholt auf ihn hin blicken; denn es war nicht ein einziges Härchen auf ihm.

Als wir an die Stelle gelangt waren, wo sein Weg sich von dem meinigen trennte und zu seinem Pfarrhofe in das Kar hinab führte, nahmen wir Abschied und sprachen die Hoffnung aus, dass wir uns nun öfter treffen würden.

Aus: Adalbert Stifter „Kalkstein”

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